Diabetes-Schulungswoche 2018: „Gemeinsam geht's besser!"

Unsere alle zwei Jahre stattfindende Schulungswoche fand in diesem Jahr vom 12. bis 19. Oktober 2018 erneut im Center Parc Medebach statt. Jeder Familie wurde ein eigenes komfortables Haus geboten und die räumliche Nähe ermöglichte unkomplizierte Kontakte. Die täglichen Schulungseinheiten erfolgten in professionellen Tagungsräumen. Von der Schulungswoche profitierten 15 Familien mit insgesamt 58 Personen, davon 31 Kinder und Jugendliche.

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Referenten aus den Bereichen Kinder- und Jugendpsychiatrie, Ernährungswissenschaften, Kinder-Diabetologie, Psychosynthese bis hin zum Internetblogger und der Weltmeisterin im Kickboxen (Physiotherapeutin und Diabetikerin) sowie 3 Vertretern führender Fachfirmen boten Vorträge, Workshops, Partner- und Gruppenarbeit aus nahezu allen relevanten Lebensbereichen der Teilnehmer. Dabei erfolgte die Aufteilung der Gruppen alters- und interessengerecht. Für die Kleinsten wurde ein „Kinderhaus" organisiert, das den Älteren eine ungestörte Teilnahme an Schulungen ermöglichte.

Die Referenten und Ihre Themen:

Frau Dr. med. Dörte Hilgard (Kinder-Diabetologin) und Herr Dr. med. Michael Meusers (Kinder- und Jugendpsychiater) bildeten ein kongeniales Referenten-Duo für den medizinischen und psychiatrischen Teil: Motivation, Adoleszenz und entspannter Umgang mit Blutzuckerwerten, Gefahren von Hypoglykämien, der Umgang mit Diabetes Typ 1 in der Schule und Langzeitfolgen. Auch das Thema „Geschwisterkinder" wurde nicht vergessen. Teils sehr komplexe Zusammenhänge wurden dabei gut verständlich vermittelt.

Herrn Hamzah Awad (Kinder-Diabetologe) referierte schwerpunktmäßig vor den diabetischen Kindern & Jugendlichen und führte zum Beispiel eine Quizshow zum Thema: "Was muss beim Sport beachtet werden?" Er spielte Badminton und überwachte dabei die Blutzuckerwerte sowie malte bzw. erarbeitete zusammen mit den Kindern & Jugendlichen eine Blutzucker-Ampel.

MSc. Eva Geisler und MSc. Stefanie Masella (beide Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaftlerinnen) entdeckten zusammen mit den Kindern & Jugendlichen heimisches Obst & Gemüse, führten eine „Versuchsküche" mit speziellen Gerichten durch und bestimmten Kohlenhydrat-Einheiten bei Trend-Lebensmitteln.

 

Andrea Budde referierte über die Psychosynthese, „dem Körper als Kompass" und erarbeitete mit den Eltern „gute Ziele als Katalysator für Zufriedenheit und Erfolg".

Am letzten Tag referierte Sascha Stiefeling/BIogger sehr unterhaltsam und lehrreich Diabetes-Technologien von gestern, heute und morgen. Er schilderte seine Erfahrungen als Betroffener und berichtete über Diabetes in den sozialen Netzwerken. Er beschrieb sogenannte „Closed Loop"-Systeme, die in Zukunft möglicherweise als Ersatz für die Bauchspeicheldrüse funktionieren und den erstaunlichen Einfluss Diabetes-Erkrankter Programmierer auf die Entwicklungen der Industrie.

An mehreren Nachmittagen mussten die vielfältigen Freizeitangebote des Centerparcs (Tropenbad, Minigolf, Fußball, Tennis, Badminton, Bowling uvm.) mit teils außergewöhnlichen Angeboten konkurrieren: Wann trifft man schon auf eine 6-fache Kickboxweltmeisterin? Anja Renfordt - selbst vom Diabetes Typ I betroffen - stand für Fragen rund um Diabetes und Sport sowie Schwangerschaft zur Verfügung und ermöglichte einen hautnahen und sehr authentischen Einblick in ihren Umgang mit der Krankheit. Selbstredend vermittelte sie im Anschluss spezielle Sportübungen für alle Interessierten.

Zur Schulung selbst:

Neben den umfangreichen Angeboten des Center Parcs gab es noch ein organisiertes Freizeitangebot, um das Gemeinschaftsgefühl aller Teilnehmer als Gruppe zu stärken. Das gemeinsame Grillen bei schönstem Spätsommerwetter war noch organisiert, die Spiele der deutschen Nationalmannschaft wurden spontan gemeinsam geschaut.

In der Abschlußreflektion der Teilnehmer kam zum Ausdruck, dass fast alle Erwartungen übertroffen wurden. Die außerordentliche Qualität und das Engagement der Referenten aber auch das angenehme Umfeld des Center Parcs ermöglichten eine Kombination aus Bildung und Freizeit, die niemand erwartet hatte. Selbst die „Wiederholungstäter" sprachen von einer besonders gelungenen Tagung. Aus Gleichbetroffenen wurden Gleichgesinnte. Nicht nur für die erkrankten Kinder und Jugendlichen ist ein Austausch unter Gleichgesinnten wichtig, auch die Eltern - und damit die ganzen Familien - profitieren davon.

In diesem Jahr nahmen besonders viele kleinere Kinder und Neuerkrankte teil, die naturgemäß am meisten von den Erfahrenen profitieren. Sie stellen auch den Fortbestand unserer sich ständig wandelnden Elterninitiative sicher.

Der Austausch der Eltern untereinander hat viele wichtige Impulse gegeben, neue Erkenntnisse gebracht und es wurden Freundschaften geschlossen. Der Kontakt der Kinder und Jugendlichen untereinander und zu anderen betroffenen Diabetikern kann gar nicht überschätzt werden. Zu sehen, wie andere mit der Krankheit umgehen und zu erfahren, dass man nicht allein damit ist, stärkt das Selbstbewusstsein und fördert die Annahme der Krankheit. Das gilt nicht nur für die betroffenen Kinder und Jugendlichen, sondern auch für die Geschwisterkinder, die bei dieser Schulung viele eigene Einheiten und so Raum für sie betreffende Themen hatten. Insbesondere der Zusammenhalt und die Gemeinschaft der Kinder & Jugendlichen untereinander war außergewöhnlich gut — jeder wurde integriert, niemand ausgeschlossen. Wie selbstverständlich nahmen die Jugendlichen bei ihren abendlichen Treffen in einem der Häuser auch die Kinder mit.

Zusammenfassend können wir feststellen, dass wir eine außerordentlich lehrreiche, intensive, unterhaltsame, bereichernde und schöne Zeit zusammen verbracht haben. Diese positive Stimmung drückte sich auch darin aus, dass alle Familien den Wunsch geäußert haben, bei der nächsten Schulungswoche wieder mit dabei sein zu wollen.