„Wir bauen Brücken" – Schulungswoche 2016

 

Unsere alle zwei Jahre stattfindende Schulungswoche fand in diesem Jahr vom 07. – 14.10.2016 in Medebach im Center Parc statt.
Hier hatte jede Familie ein Haus belegt, die sich in unmittelbarer Nähe zueinander befanden, damit der Kontakt untereinander schnell und unkompliziert möglich war. Zusätzlich hatten wir Tagungsräumlichkeiten für die täglich stattfindenden Schulungseinheiten gebucht. An der Schulungswoche nahmen 14 Familien mit insgesamt 51 Personen teil, davon waren 26 Erwachsene sowie 25 Kinder und Jugendliche.

 

Außerdem haben uns zahlreiche Referenten unterstützt, die die Schulungseinheiten mit den verschiedenen Gruppen durchgeführt haben:
Frau Dr. Simone van Haag (Diabetologin, Grevenbroich), Frau Dr. Ursula Strier (Kinderdiabetologin, Mönchengladbach), Frau Heike Maßen (Kinderpsychotherapeutin, Mönchengladbach), Frau Hanna Heck (Diplom Heil- und Entspannungspädagogin, Neuss), Herr Markus Maßen (Ernährungsberater, Mönchengladbach), Herr Dr. Derk van Haag (Arzt, Urologe, Iserlohn), Herr Ingolf Rütjeroth (Freiwillige Feuerwehr, Erkrath), Frau Anja Renfordt (Physiotherapeutin, Sportlerin, Diabetikerin, Lüdenscheid) und Annika Dörscheln (Schülerin, Erkrath).

Darüber hinaus stellten vier Pumpenvertreter Herr Gelhart, Frau Vetter, Herr Pritzkow und Frau Korkmaz von den Firmen Medtronic, Ypsomed und Johnson & Johnson ihre Produkte vor.

Die Teilnehmer hatten wir in drei Gruppen eingeteilt, die jeden Vormittag jeweils zwei Schulungseinheiten hatten: die Eltern, die diabetischen Kinder und Jugendlichen sowie die Geschwisterkinder. Außerdem gab es die Möglichkeit, dass jüngere Kinder, die noch nicht am Schulungsprogramm teilnehmen konnten, von den zwei selbst vom Diabetes Typ I betroffenen Schülerinnen Annika Dörscheln und Lena Schweren im so genannten „Kinderhaus“ betreut wurden.

Auch nachmittags gab es täglich vielfältige Angebote, die im Gegensatz zu den „Pflichtveranstaltungen“ am Vormittag, von den Familien je nach Bedarf und Interesse genutzt werden konnten. Diese fanden, wie in den vergangenen Jahren schon immer, großen Anklang und wurden zahlreich besucht. Hier stand die selbst vom Diabetes Typ I betroffene sechsfache Kickboxweltmeisterin Anja Renfordt für Fragen rund das Thema Diabetes und Sport zur Verfügung und vermittelte sehr authentisch ihren Umgang mit der Krankheit. Die vier Pumpenvertreter sowie die Ärztinnen Frau Dr. van Haag und Frau Dr. Strier sowie die Kinderpsychotherapeutin Frau Maßen boten Sprechstunden an, die von den Familien zur persönlichen Beratung zahlreich genutzt wurden.

Annika Dörschel hielt einen interessanten Vortrag über ihre zweiwöchige Reise nach China und den Umgang mit ihrem Diabetes in dem fremden Kulturkreis. Neben den vielen sportlichen Möglichkeiten des Center Parcs gab es noch zwei organisierte Freizeitangebote, um das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe zu stärken: das gemeinsame Grillen mit Würstchen und Stockbrot sowie der Ausflug zur Sommerrodelbahn.

 

Das Vormittagsprogramm war sehr abwechslungsreich, hatte sowohl theoretische Anteile in Form von Vorträgen als auch ganz praktische Anteile in Form von Workshops und Gruppen- sowie Partnerarbeit und bot so Gelegenheit, sich dem Thema Diabetes von verschiedenen Seiten zu nähern und sich damit intensiv auseinanderzusetzen. Es gab diesbezüglich die medizinische, die psychologische und die pädagogische Seite.

Die medizinische Seite übernahmen Frau Dr. van Haag sowie Frau Dr. Strier und erläuterten die Themen Forschung, Therapiemöglichkeiten, Hypoglykämie und Ketoaszidose, Pubertät, Infekte, Reisen, Führerschein sowie Ernährung. Die drei Pumpenvertreter Herr Gelhart, Frau Vetter, Herr Pritzkow und Frau Korkmaz stellten verschiedene Insulinpumpen und Sensoren vor und beantworteten Fragen. Ergänzt wurde dieser Teil von Herrn Dr. van Haag und Herrn Rütjeroth mit Erste-Hilfe-Schulungen sowie von Herrn Maßen mit einem praktischen Kochkurs.

Die psychologische Seite bot Frau Maaßen in Zusammenarbeit mit Frau Dr. Strier an. Hier setzten sich die Teilnehmer mit Fragestellungen rund um das Thema Diabetes und Familie in Form von Rollenspielen und Gesprächsrunden auseinander.

Frau Heck brachte die pädagogische Seite ein und vermittelte über das Vorstellen theoretischer Grundlagen, Partnerübungen sowie Gesprächsrunden und stellte neue Denkanstöße zum Thema „Unser Kind ist chronisch krank“ aus Sicht der Pädagogik von Jesper Juul vor.

In der Abschlussreflektion über die Schulungswoche wurde herausgestellt, dass sehr viele Aspekte des Diabetes beleuchtet wurden, so dass sowohl Familien, die schon länger vom Diabetes betroffen sind, als auch „neue“ Familien mit viel neuem Input nach Hause gefahren sind. Auch der Austausch der Eltern untereinander hat viele wichtige Impulse gegeben und neue Erkenntnisse gebracht. Nicht zuletzt war der Kontakt der Kinder und Jugendlichen zu anderen betroffenen Diabetikern von großem Wert. Zu sehen, wie andere mit der Krankheit umgehen und zu erfahren, dass sie nicht damit allein sind, stärkt das Selbstbewusstsein unserer Kinder und fördert die Annahme der Krankheit. Dies galt nicht nur für die betroffenen Kinder und Jugendlichen, sondern auch für die Geschwisterkinder, die bei dieser Schulung viele eigene Einheiten und so Raum für sie betreffende Themen hatten.

Zusammenfassend können wir feststellen, dass wir eine außerordentlich lehrreiche, bereichernde und schöne Zeit zusammen verbracht haben. Diese positive Stimmung drückte sich auch darin aus, dass alle Familien den Wunsch geäußert haben, bei der nächsten Schulungswoche wieder mit dabei sein zu wollen.

 

Neuss, den 20.10.2016